Fionn:
Wenn Du die bisherigen Übungen sauber spielen kannst, ist es Zeit,
mehr als nur einen Finger pro Hand zum Spiel zu benutzen. Aber - warum
den Daumen?
- Der Daumen ist sehr wichtig für ein später flüssiges,
sauberes und schnelles Spiel
- Er ermöglicht schon zusammen mit dem Zeigefinger sehr variables
Spiel
- Er hat mit einem der anderen Finger zusammen die größte
Spannweite
- Außerdem ist's eine Herausforderung an Dich ;-)
Wie nutzt Du den Daumen? Lese dazu einmal die Seite
"Handhaltung" von Nicole und schau Dir das
folgende Foto an:

Die Hand ist wieder zur lockeren Faust geformt, der Daumen zeigt nach
oben und greift mit dem linken Drittel die Saite, spannt sie und
läßt
sie dann los; danach schnellt er über das zweite Glied des
Zeigefingers
zurück.
Wenn Du zu üben beginnst, hilft es, wenn Du Zeige- bis Ringfinger
fest auf _eine_ Seite legst und somit der Hand mehr Halt gibst. Wenn
der Daumen erst mal brav spielt, so daß sich ein sauberer Ton
ergibt, nimm die Finger weg.
Höre einmal bewußt auf den Ton: wie exakt Du auch spielst,
es gibt immer einen Klangunterschied zwischen der mit dem Daumen und
mit Zeigefinger angezupften Saite. Das stört aber nicht: es
gehört Harfespiel, denn das ist weit mehr als nur das seelenlose
aneinanderreihen von makellosen Tönen. Du kannst diesen
Unterschied ja auch bewußt einsetzen!

Rechts
ein Bild des spielbereiten Daumens, der den obersten Ton der ersten
Dreiklang-Umkehrung spielt; Zeigefinger und Ringfinger haben ebenso
ihre Saiten im Griff. Jetzt ist natürlich keine "lockere Faust"
mehr möglich, aber der Ansatz dazu ist in Ringfinger und kleinem
Finger sichtbar, und nach dem Abspiel ist die Faust auch wieder da,
mehr oder minder offen, je nachdem, wie schnell die nächsten
Töne folgen. Mehr dazu demnächst im Video.
Am Bild links erkennst Du auch, warum der Daumen so viel
Spielmöglichkeit eröffnet: die Spanne zwischen ihm und den
anderen Fingern ist sehr groß, reicht mindestens bis zur Oktave!
Und das bei meiner relativ kleinen Hand - der Bibliothekar der
Unsichtbaren Universität, seines Zeichens Orang-Utan, könnte
bequem 1 1/2 Oktaven greifen ...
Zu Üben hier ein erstes Stückchen, wiederum von mir für
diese Site geschrieben. Die
Hörprobe
gibt's nur als midi-File. Hier greifen Daumen und Zeigefinger
hauptsächlich Terzen. Spiele die höhere von zwei Noten immer
mit dem Daumen, die niedrigere mit dem Zeigefinger; die halben Noten
gehören dem Zeigefinger. In Takt vier spielt der Daumen der
rechten Hand nur das hohe "Es". Wie gewohnt, zeigt ein Klick auf die
Noten das Stück, transponiert für eine C-Dur-Harfe.